KVA Buchs wird Mittelland Molkerei in Suhr mit CO2-neutraler Energie versorgen

Die Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) der KVA Buchs und Emmi in Suhr vereinbaren den Bau einer zwei Kilometer langen, unterirdischen Dampfleitung entlang der Bernstrasse. Mit der Abwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage kann der Milchverarbeitungsbetrieb, dem die Mittelland Molkerei gehört, 80 Prozent seiner Prozessenergie auf nachhaltig umstellen.

Die Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) erweitert ihr Versorgungsnetz. Nach den Migros-Betrieben im Buchser Wynenfeld, der Eniwa mit dem Wärmeverbund Torfeld/Kantonsspital Aarau/Schachen, Möbel Pfister, dem Schwimmbad Suhr/Buchs/Gränichen und den Technischen Betrieben Suhr soll ein weiterer Grossbetrieb an das FEWAG-Netz angeschlossen werden: die zu Emmi gehörende Mittelland Molkerei in Suhr. Zu diesem Zweck muss ein neuer, 2,1 Kilometer langer unterirdischer Leitungsast von der Verzweigung Wynentalstrasse-Bernstrasse Ost bis zur Bernstrasse West ausgangs Suhr gebaut werden. Den Bau und Betrieb der Dampfleitung übernimmt die FEWAG.

FEWAG steigert Wärmeabsatz auf 95 Gigawattstunden

Mit dem erweiterten Versorgungsnetz kann die FEWAG ihren Wärmeabsatz von heute 65 Gigawattstunden (GWh) auf 95 GWh steigern, was dem Energieverbrauch einer kleineren Schweizer Stadt entspricht. Dabei handelt es sich um Wärmeenergie aus der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Buchs, die ohnehin vorhanden ist. «Dank der neuen Leitung werden wir den Wärmenutzungsgrad der KVA von 19,4 auf 25,7 Prozent erhöhen können», sagt Rolf Schumacher, FEWAG-Geschäftsführer und Leiter Technik der KVA Buchs. Die KVA-Abwärme kommt in Form von 280 Grad Celsius heissem Dampf, der unter 22 bar Druck steht, bei der Mittelland Molkerei an. Dort wird sie als sogenannte Prozessenergie eingesetzt, um beispielsweise Milch zu pasteurisieren.

Flugbild KVA Buchs

Mit dem erweiterten Versorgungsnetz kann Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) der KVA Buchs ihren Wärmeabsatz steigern.

 

Wichtiger Beitrag zu Emmis CO2-Reduktionsziel

Die Herstellung von Milchprodukten benötigt viel Energie. Schweizweit liegt der Energieverbrauch aller Emmi-Betriebe bei jährlich rund 180 GWh, die auf die Herstellung von Trinkmilch, Rahm und Butter spezialisierte Mittelland Molkerei in Suhr beansprucht davon 32 GWh. Mit dem Dampf aus der KVA Buchs können bei der Mittelland Molkerei rund 80 Prozent der bisher mit Gas erzeugten Energie ersetzt und damit CO2-neutral gemacht werden. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf die Gaskessel der Mittelland Molkerei, die vor allem in den Wintermonaten weiterhin im Einsatz stehen werden. Wenn es kalt ist, muss die FEWAG Spitzenlasten von Prozess- und Komfortwärme (Heizungen) bewältigen.

«Die KVA-Abwärme reduziert den jährlichen CO2-Ausstoss der Mittelland Molkerei in Suhr um 5000 Tonnen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Erreichung von Emmis Nachhaltigkeitszielen», sagt Bruno Brücker, Betriebsleiter der Mittelland Molkerei. Die von Emmi gesetzten Ziele sehen unter anderem vor, den globalen CO2-Ausstoss der zur Emmi gehörenden Betriebe zwischen 2014 und 2020 um 25 Prozent respektive von 140'000 auf 104'000 Tonnen zu reduzieren. Die neben der Umstellung auf Fernwärme in Suhr gewichtigste Massnahme war 2017 der Wechsel zu Strom aus Wasserkraft für alle Emmi-Betriebe in der Schweiz.

Emmi Flugbild

Dank der KVA-Abwärme wird die Mittelland Molkerei in Suhr ihren jährlichen CO2-Ausstoss um 5000 Tonnen reduzieren.

 

Auch Anwohner profitieren

Von der Investition der FEWAG in die neue Leitung könnte auch das Wohnquartier Suhr Süd beidseits der Gränicherstrasse profitieren. An einer Erschliessung einzelner Gebäude mit Fernwärmeanschlüssen sind die Technischen Betrieben Suhr (TBS) interessiert. Die TBS Strom AG ist auch in der Wärmeversorgung tätig und einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Sie klärt das Potenzial ab für weitere Leitungsäste, die von der Hauptleitung KVA Buchs–Mittelland Molkerei abzweigen würden.

Nach dem Grundsatzentscheid der FEWAG und der Mittelland Molkerei folgt nun die Projektierung der Dampfleitung mit anschliessenden Baubewilligungsverfahren. Baubeginn ist frühstens im 1. Quartal 2020, die Bauarbeiten werden voraussichtlich neun Monate dauern.

 

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