Energiestrategie 2050: Wie geht’s weiter?

Energiestrategie 2050: Wie geht’s weiter?

Auf den 1. Januar 2018 hat der Bundesrat das erste Massnahmenpaket zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 in Kraft gesetzt. Darin sind einige Punkte enthalten, welche durch die lokalen Verteilnetzbetreiber wie die TBS Strom AG in ihrem Versorgungsgebiet umzusetzen sind. In der Grundtendenz werden die Verteilernetze flexibler und intelligenter, um sich besser auf die dezentrale Produktion und die sich verändernden Verbrauchsprofile auszurichten. Durch den Einsatz von modernen Steuer- und Regelsystemen wird es möglich die bestehenden Kabelanlagen besser auszulasten. Weitere Anreize werden geschaffen, indem die neuen erneuerbaren Energien gleich dort verbraucht werden, wo sie produziert werden.

Smarte Zähler

Ein Schlüsselelement für die Einführungintelligenter Verteilernetze sind die sogenannten Smart Meter. Diese messen nicht nur die verbrauchten Energiemengen zu den Hoch- und Niedertarifzeitensondern zeichnen mindestens alle 15 Minuten einen Verbrauchs- oder Einspeisewert auf. Die aufgezeichneten Energieflussdaten lassen sich im Tagesverlauf visualisieren und ergeben so ein detailliertes Nutzungsprofil der individuellen Haushalte. Es liegt auf der Hand, dass diese Daten besonders schützenswert sind. Dementsprechend wird dem Daten- und Persönlichkeitsschutz ein hoher Stellenwert beigemessen. Die neue Zählerinfrastruktur kann nicht mehr manuell ausgelesen werden. Die Auslesung erfolgt über ein dediziertes Kommunikationsnetz, wobei die Daten auf dem Transportweg verschlüsselt werden. Der Verteilnetzbetreiber darf die Daten ausschliesslich für den sicheren Netzbetrieb und die Abrechnung gegenüber den Endkunden verwenden. Er hat dabei die Vertraulichkeit der Daten sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass sie nur von einem eingeschränkten Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingesehen werden können. Für allfällige andere Verwendungszwecke muss der Endkunde sein schriftliches Einverständnis abgeben. Die Infrastruktur wird schrittweise eingeführt. Die Schweizer Verteilnetzbetreiber haben zehn Jahre Zeit, um mindestens 80 % ihrer Messstellen umzurüsten und die notwendige Kommunikationsinfrastruktur in Betrieb zu nehmen. Das Vorhaben wird über das Netznutzungsentgelt finanziert.

 

Smart Meter

 

Die Flexibilität gehört dem Endkunden

Wenn sich eine Privatperson entscheidet eine eigene Photovoltaikanlage zu bauen und den produzierten Strom selbst zu verbrauchen, ist die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung sehr stark davon abhängig, welcher Eigenverbrauchsgrad erreicht werden kann. Das heisst, welcher Anteil des produzierten Stroms direkt vor Ort zeitgleich verbraucht wird. Ohne spezielle Massnahmen ist der Eigenverbrauchsgrad in der Regel sehr gering. Erst wenn mit einem intelligenten Energiemanagement im Haushalt die flexiblen Verbraucher automatisch zugeschaltet werden wenn Strom produziert wird (zum Beispiel an einem sonnigen Tag über Mittag), kann diese Situation verbessert werden. Werden zusätzlich Batteriespeicher eingesetzt, führt dies zu einer weiteren Verbesserung des Eigenverbrauchsgrads. In diesem Kontext geben die neuen Verordnungen vor, dass der Verteilnetzbetreiber beim Endkunden nicht mehr in die Steuerung einzelner Verbraucher eingreifen darf. Er darf dies nur noch dann tun, wenn der sichere Netzbetrieb in seinem Versorgungsgebiet nicht mehr gewährleistet ist. In diesem Sinne bleibt die bestehende Rundsteueranlage bis auf weiteres im Einsatz.

Vereinfachung bei den Netznutzungstarifen

Bis anhin hatte der Verteilnetzbetreiber die Möglichkeit, den Verbrauchsgruppen auf der untersten Netzebene (Niederspannung, 400 V) aufgrund ihrer Verbrauchscharakteristik unterschiedliche Netztarife anzubieten. Ab dem 1. Januar 2019 müssen alle Endkunden deren Leistungsbedarf unter 30 kVA liegt und die den Strom in Niederspannung beziehen innerhalb demselben Netznutzungstarif (Basiskundengruppe) abgerechnet werden. Ausnahmen sind möglich, wenn der Endkunde einen Teil seiner Flexibilität an den Verteilnetzbetreiber abtritt, damit diese zur Netzoptimierung eingesetzt werden kann. In solchen Fällen können weitere Netztarife eingesetzt werden, die Wahl liegt jedoch beim Endkunden.

Förderung von Eigenverbrauchsgemeinschaften

Der Eigenverbrauchsgrad einer Photovoltaikanlage kann auch dadurch gesteigert werden, indem sich einige Endkunden zu einer Verbrauchsgemeinschaft zusammenschliessen. Dies kann beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus realisiert werden. Die Verordnungen geben nun vor, dass die Anlagegrösse bei einem solchen Objekt mindestens 10 % der Leistung des Netzanschlusses betragen muss. Neu können auch benachbarte Grundstücke zu Eigenverbrauchsgemeinschaften zusammengeführt werden. Bedingung ist jedoch, dass der Eigenverbrauch über separate Kabelanlagen geführt und dabei nicht das öffentliche Netz genutzt wird. Aus Sicht des Verteilnetzbetreibers stellt die Eigenverbrauchsgemeinschaft einen einzelnen Endkunden dar. Dementsprechend wird nur die Gesamtenergiemenge am Hausübergabepunkt gegenüber der Gemeinschaft abgerechnet. Die faire und transparente Abrechnung gegenüber den einzelnen Kunden liegt dann in der Verantwortung der Verbrauchsgemeinschaft. Diese hat dafür zu sorgen, dass die einzelnen Kunden gegenüber einem Direktbezug beim Netzbetreiber nicht benachteiligt sind. Da diese Aufgabe recht aufwändig und komplex ist, ist es ratsam sich mit dem Verteilnetzbetreiber frühzeitig abzusprechen, um eine einfache Lösung realisieren zu können. Die TBS Strom AG kann hier schon praktische Erfahrungen einbringen und hat pragmatische Lösungen auch schon in Betrieb.

 

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